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Was kommt nach Kopenhagen? Kuijpers: Nach den Vorverhandlungen war faktisch bereits abzusehen, dass diese Konferenz kein neues Klimaabkommen hervorbringen würde. Führende Teilnehmer haben aber gehofft, dass Kopenhagen den Weg für Verhandlungen bereiten würde, um 2010 zu einer rechtsverbindlichen Einigung über die Bekämpfung des Klimawandels zu gelangen – durch eine Reduktion der Emissionen, die Unterstützung der Entwicklungsländer, die Festlegung von Finanzierungsmodellen usw. Die Verhandlungsführer von Kopenhagen standen wegen der wirtschaftlichen und politischen Gegebenheiten, die von verschiedenen Bereichen des Welthandels bis zur historischen Verantwortung der Industrieländer reichen, vor enormen Herausforderungen. Auf dem durch hohe Erwartungen vorbelasteten Treffen mit über 35.000 Teilnehmern, Beobachtern und Mitgliedern von Nichtregierungsorganisationen wurde schnell klar, dass die Staatengemeinschaft lediglich einen Status quo festschreiben konnte. Blickt man auf die letzten zwanzig Jahre zurück, lässt sich feststellen, dass die Verabschiedung des ersten Klimaabkommens von Rio (1992) noch relativ einfach war. Auch das 1997 folgende Kyoto-Protokoll war noch machbar, da es nur moderate Reduktionsziele mit einer Vielzahl flexibler Mechanismen vorsah und die Teilnehmerzahl begrenzt war. Doch Kopenhagen als dritte Stufe wurde zu einer unüberwindbaren Hürde. Der Hauptgrund hierfür ist, dass die Vertragsstaaten von Kyoto in Anhang-I-Länder (Industriestaaten) und Nicht-Anhang-I-Länder (Entwicklungsländer) eingeteilt wurden, die ähnliche, aber doch differenzierte Verantwortlichkeiten hatten. Im Laufe der Jahre hat sich diese Aufteilung zu einem schwerwiegenden politischen Problem entwickelt. Nach der Konferenz von Bali (2007) wurde in zwei Verhandlungssträngen versucht, aus dieser Sackgasse auszubrechen: Erstens bemühten sich die Organisatoren um langfristige Zusagen, um so zu einer Art von rechtsverbindlichem Vertrag zu gelangen, und zweitens versuchten sie kurzfristige Nachbesserungen des Kyoto-Protokolls für den Zeitraum 2012 bis 2020 zu erreichen. Die Verhandlungsführer haben gehofft, dass diese beiden Strategien zu einem späteren Zeitpunkt zusammenkommen und zu einem neuartigen globalen Vertrag führen würden. Doch Kopenhagen hat gezeigt, dass die Entwicklungsländer mit ihren Reduktionszusagen im Rahmen des Kyoto-Protokolls bleiben wollen. Die Kopenhagener Vereinbarung liefert nun lediglich eine (politisch unverbindliche) Orientierungshilfe für das weitere Vorgehen. Europa hat sich verpflichtet, die Treibhausgasemissionen bis 2020 um mindestens 20 Prozent zu reduzieren. Was bedeutet das für die Kälte- und Klimaindustrie? Hoeterickx: Europa sollte eigene Maßnahmen zur Verringerung der CO2-Emissionen und des Energieverbrauchs ergreifen, wie es viele nordeuropäische Länder wie Dänemark und Schweden bereits getan haben. So wird zum Beispiel in Schweden zum Heizen von Büros und Häusern weniger als 50 Prozent der Energie benötigt als in Belgien, was auf strengere Isolierungsstandards, Wärmerückgewinnungssysteme usw. zurückzuführen ist. Europa könnte hier eine Führungsrolle einnehmen. Welche weiteren Regelungen der Kopenhagener Vereinbarung haben Auswirkungen auf die Kälte- und Klimaindustrie? Kuijpers: Die Kälte- und Klimabranche muss durch ausgeklügeltes Design, intelligente Produktion und Einsatz moderner Technologien den Weg zu Nachhaltigkeit und hoher Energieeffizienz aufzeigen. Es ist schwer zu beurteilen, inwieweit natürliche Kältemittel Vor- oder Nachteile im zukünftigen globalen Kältemarkt haben werden. Sie sollten jedoch immer in Erwägung gezogen und überall dort eingesetzt werden, wo sie Vorteile bieten. Welche Rolle spielen natürliche Kältemittel bei der Erreichung des 2-Grad-Ziels? Kuijpers: Als Ersatz für H-FCKWs und H-FKWs könnten sie durchaus eine gewisse Rolle spielen, vor allem wenn sie eine höhere Energieeffizienz aufweisen und dadurch zu geringeren CO2-Emissionen führen. Andererseits ist die 2-Grad-Grenze ein langfristiges Ziel (2050 oder später). Bis zu diesem Zeitpunkt werden H-FKWs bereits durch die nächste Generation synthetischer Kältemittel mit geringerem Treibhauspotenzial ersetzt sein, mit denen natürliche Kältemittel dann konkurrieren müssen. Wie gehen die Klimaverhandlungen jetzt weiter? Da weitere Verhandlungen nicht unbedingt direkt von der Klimarahmenkonvention vermittelt werden müssen, könnten Gespräche über weitere Diskussionen auch in ganz anderen Zusammenhängen aufgenommen werden wie zum Beispiel dem „Major Economies Forum on Energy and Climate Change“ (MEF) oder einem Gremium der G-8 oder G-20. Zwischen 2010 und 2011 könnten die Vertragsstaaten des Montreal-Protokolls erneut die Diskussion über die globale Regulierung der Produktion und des Verbrauchs von H-FKWs als Ersatz für ozonschädigende Stoffe aufnehmen. Diese Gespräche wurden 2009 angestoßen, dann aber wegen fehlender Beiträge aus dem Kyoto-Protokoll-Prozess wieder fallengelassen. Es besteht eine durchaus reale Chance, dass diese Diskussion jetzt zu einer erfolgreicheren Strategie führt. Besonders angesichts der Tatsache, dass für die weiteren Verhandlungen nach Kyoto neue Modalitäten gefunden werden müssen. Ohne eine verbindliche politische Einigung in Kopenhagen, ohne einen neuen Ausgangspunkt, der für die Verhandlungen über ein neues verbindliches Klimaabkommen unter welcher Aufsicht auch immer gefunden werden muss, wird 2010 hoffentlich zeigen, wie die Länder dieser Welt auf geschlossenere Weise weiter vorgehen möchten. Über Dr. Lambert Kuijpers Über Georges Hoeterickx |